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Die Entstehung von Konsum und Sucht

Die Entstehung von Konsum und Sucht

Bei der Entstehung von Konsum und Sucht reicht es nicht aus, lediglich einen Auslöser oder einen Faktor zu nennen. Es wird davon ausgegangen, dass viele verschiedene Einflüsse den Einstieg in den Konsum von Drogen und die Entstehung von Sucht begünstigen, aber auch verhindern können. Diese Einflüsse lassen sich in fünf übergeordnete Faktoren einordnen:
1 Persönlichkeit
2 Soziales Umfeld
3 Droge
4 Sozioökonomischer Status
5 Gesetzliche Bestimmungen und mediale Darstellung

Wichtig ist es hierbei zu erwähnen, dass diese fünf Faktoren sowohl als Schutz- als auch als Risikofaktoren in Bezug auf den Einstieg in den Drogenkonsum und die Entstehung von Sucht gesehen werden können. Im Folgenden werden diese fünf Faktoren nun weiter aufgeschlüsselt und es wird erläutert, unter welchen Umständen sie als Schutz- oder als Risikofaktor gelten.

1 Persönlichkeit
Persönliche Eigenschaften können Konsum und Sucht sowohl begünstigen, aber auch als Schutzfaktor dienen. Die persönlichen Eigenschaften lassen sich in genetische und psychische Eigenschaften unterscheiden (vgl. Fischer/Lammel 2009, S. 26):
Eine genetische Disposition zur Entstehung von Sucht ist vor allem dann gegeben, wenn es innerhalb der Familie bereits auftretendes Suchtverhalten gab. Hierzu lässt sich allerdings sagen, dass das Vorhandensein der genetischen Disposition nicht automatisch dazu führt, dass sich eine Sucht tatsächlich auch ausbildet, sondern dass hier auch die Bedingungen des Umfeldes einer Person eine maßgebliche Rolle spielen, ob sich eine Sucht entwickelt oder nicht (vgl. Jordan/Sack 2009, S.131). Es kann also niemals allein die genetische Disposition für die Entstehung von Sucht als Erklärung herangezogen werden.
Die psychischen Eigenschaften einer Person können ebenfalls die Entstehung von Sucht, aber auch den Einstieg in den Konsum beeinflussen: Während eine gefestigte Persönlichkeit mit hohem Selbstwertgefühl und eigenen Bewältigungsstrategien für Krisensituationen als Schutzfaktor gelten, so lassen sich ein geringes Selbstwertgefühl, das nicht Vorhandensein von Bewältigungsstrategien aber auch die Bereitschaft, Risi-kos und Selbstgefährdung einzugehen, als Risikofaktoren für Suchtentstehung nennen (vgl. ebd., S.130). Vor allem Instabilität und Unsicherheit spielen hier eine große Rolle: Jugendliche, die eine geringe Selbstsicherheit aufweisen, besitzen oftmals weniger Standfestigkeit im Durchsetzten eigener Normen und Werte und es kann daher beispielsweise leichter zu einem „Überreden“ zum Drogenkonsum innerhalb der Peergroup kommen.

2 Soziales Umfeld
Auch das soziale Umfeld spielt eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Sucht, aber auch beim Einstieg in den Konsum von Drogen. Im Folgenden werden drei Bereiche des Sozialen Umfelds, welche vor allem im Jugendalter eine große Rolle spielen, aufgeschlüsselt und die Risiko- und Schutzeigenschaften des jeweiligen Bereiches beschrieben.

2.1 Familie
Allgemein lässt sich sagen, dass „[…] insbesondere frühe soziale Stresserfahrungen die Disposition zur Entwicklung von Abhängigkeitserkrankungen […]“ beitragen kön-nen (Müller/Heinz 2012, S.31). Erfahren Kinder und Jugendliche durch ihre Eltern wenig Anerkennung, Liebe und Unterstützung, kann dies ein Risikofaktor zur Such-tentstehung sein. Das Fortführen des Konsums kann dadurch begünstigt werden, dass beispielsweise durch den Konsum von Drogen gegebenenfalls angenehme Emotionen wie Freude wieder empfunden werden können, auch wenn diese innerhalb des familiären Umfeldes ansonsten eher selten wahrgenommen werden. Des Weiteren können die Kommunikationsmuster innerhalb der Familie die Entstehung von Sucht beeinflussen: Als Schutzfaktor gilt hier eine offene, akzeptierende und wertschätzende Kommunikation zwischen Eltern und Kindern bzw. Jugendlichen. Vor allem die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche sich auch mit Themen wie Drogenkonsum an ihre Eltern wenden können ohne von ihnen eine negative Reaktion zu erwarten, kann als großer Schutzfaktor gelten (vgl. Jordan/Sack 2009, S.131 ff.). Eine offene Gesprächskultur ermöglicht den Eltern einen Zugang zu ihrem Kind zu wahren, von Aktivitäten innerhalb der Peergroup durch Erzählungen zu erfahren und gegebenenfalls frühzeitig angemessen zu intervenieren bzw. in einen offenen Austausch zu kommen, wenn thematisiert wird, dass in der Peergroup des Kindes Drogen konsumiert werden.
Auch sollte das Elternhaus für Kinder und Jugendliche ein „sicherer Hafen“ sein, zu dem sie immer wieder zurückkommen können – egal in welchen Situationen. Dieses Gefühl kann nur aufgrund einer vertrauensvollen, offenen und ehrlichen Beziehung und Kommunikation zwischen Eltern und Kindern entstehen. Ist dies nicht gegeben, kann es dazu kommen, dass Jugendliche dieses Gefühl von Sicherheit außerhalb der Familie suchen (beispielsweise innerhalb der Peergroup), was als Risikofaktor gesehen werden kann, wenn dort der Kontakt zu Suchtmitteln hergestellt wird (vgl. Meyenberger/Scholz/Buisman 1993, S.64).
Als Grundlage der Eltern-Kind-Beziehung lässt sich der Erziehungsstil der Eltern so-wohl als Risiko- als auch als Schutzfaktor nennen. Risikobehaftet kann beispielsweise die Überfürsorge der Eltern sein. Durch die ständige Kontrolle der Kinder und Jugendlichen durch die Eltern kann es dazu kommen, dass diese sich über die Regeln der Eltern hinwegsetzen möchten und dies beispielsweise durch den Konsum illegaler Drogen ausleben. Gleichzeitig kann allerdings auch die Vernachlässigung der Kinder und Jugendlichen durch die Eltern zu Drogenkonsum führen, da familiär keine Aufmerksamkeit und Geborgenheit gegeben ist und die Jugendlichen keine Möglichkeit haben, in der Familie eine Anlaufstelle für Probleme oder Unterstützung zu sehen. Gewalt- und Missbrauchserfahrungen innerhalb der Familie können ebenfalls als Risikofaktor zur Entstehung von Sucht gelten (vgl. Jordan/Sack 2009, S.132).
In Bezug auf die Entstehung von Sucht ist es von großer Wichtigkeit zu erwähnen, dass der Zugang zum Konsum von Drogen nicht lediglich dem gesellschaftlichen Milieu einer Familie zugeschrieben werden darf (vgl. Meyenberger/Scholz/Buisman 1993, S.66). Auch in Familien, die beispielsweise finanziell abgesichert sind, können Jugendliche in den Drogenkonsum einsteigen: Beispielsweise die strenge Art in der Erziehung oder die Tatsache, dass innerhalb der Familie nicht über Ängste und Sorgen gesprochen werden kann und Schwächen nicht gezeigt bzw. zugelassen werden dürfen, kann dazu führen, dass Jugendliche sich den Konsum von Drogen als Kompensationsmechanismus aneignen.
Neben der Beziehung zwischen Eltern und Kindern kann auch die Beziehung zwischen den Elternteilen einen Einfluss auf die Entstehung von Sucht haben. Vor allem Trennung und Scheidung, aber auch Konflikte und Probleme innerhalb Beziehung der Eltern können das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit innerhalb der Familie für Kinder und Jugendliche maßgeblich beeinträchtigen und somit als Risikofaktor für Sucht gelten (vgl. ebd., S.64).
Des Weiteren darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Eltern und Geschwister für Kinder und Jugendliche als Orientierung gelten. Der Umgang mit Konsum innerhalb der Familie kann daher entscheidend für die Entstehung von Konsum und Sucht bei Jugendlichen sein. Ist es beispielsweise selbstverständlich, regelmäßig Alkohol zu trinken, zu rauchen oder Medikamente ohne ärztliche Verordnung einzunehmen, können Kinder schon in jungem Alter mit diesen Arten von Konsum in Kontakt gelangen und dies als etwas „Normales“ erleben (vgl. ebd., S.63). Außerdem haben sie so einen erleichterten Zugang zu den Mitteln, was gegebenenfalls zu früheren eigenen Konsumerfahrungen führen kann.

2.2 Peers
Zunächst lässt sich sagen, dass die Beziehung zu den Eltern, wie im Vorangegangenen erwähnt, zwar eine Rolle bei der Entwicklung von Konsum und Sucht spielen kann, diese aber in der Phase der Jugend zunehmend unwichtiger wird: die Ablösung vom Elternhaus bildet eine zentrale Entwicklungsaufgabe in der Phase der Jugend. Dies führt dazu, dass die Beziehung zu den Eltern immer mehr in den Hintergrund rückt und gleichzeitig die Gruppe der Gleichaltrigen – also die Peergroup – an Bedeutung zunimmt. Auch kann es dazu kommen, dass andere Personen wie beispielsweise Lehrer*innen als Ansprechpartner*innen in den Hintergrund rücken bzw. von den Jugendlichen abgelehnt werden (vgl. Jordan/Sack, 2009 S.134).
Anstatt mit Eltern oder andere Bezugspersonen zu sprechen oder um Rat zu fragen, finden Jugendliche eigene individuelle Wege und legen vor allem großen Wert auf die Zugehörigkeit zu ihrer Peergroup. Gemeinsame Interessen und die gleichen Einstellungen führen zu einem Gemeinschaftsgefühl zwischen den einzelnen Jugendlichen innerhalb deren Gruppe (vgl. ebd.). Somit werden Sorgen und Ängste häufiger inner-halb der Peergroup an- und besprochen als im Elternhaus. Die Jugendlichen teilen sich mit und handeln entsprechend der innerhalb der Peergroup als akzeptiert geltenden Handlungsweisen.
Vor allem in Familien, in denen die Beziehung zwischen Eltern und Kindern instabil ist, kommt es bei Jugendlichen zu einer stärkeren Fokussierung der Peergroup. Hier-durch entsteht eine nicht zu unterschätzende „emotionale Bindung an andere Jugendliche“ (ebd., S.130), welche vor allem auch im Rahmen der Konsum- und Suchtentstehung nicht unterschätzt werden darf: die innerhalb der Peergroup von anderen Jugendlichen ausgelebten Verhaltensweisen können vor allem auf Jugendliche mit geringer Selbstsicherheit und Unsicherheit in Bezug auf die eigenen Normen und Werte einen großen Einfluss nehmen. Das Erleben von Cannabiskonsum bei Gleichaltrigen, die die Jugendlichen gegebenenfalls als Orientierung sehen oder deren Anerkennung sie er-langen oder aufrecht erhalten möchten, kann dazu führen, dass Jugendliche sich selbst auf den Konsum von Cannabis einlassen (vgl. ebd., S.134). Dies verdeutlicht, dass beim Einstieg in den Drogenkonsum nicht lediglich die erwünschte Wirkung der jeweiligen Substanz im Vordergrund stehen muss, sondern dass auch der Wunsch nach sozialen Beziehungen und deren Aufrechterhaltung zum Einstieg in den Konsum führen kann.
Finden Jugendliche jedoch keinen Anschluss zu Gleichaltrigen in ihrem Umfeld, kann dies eine große Belastung für Jugendliche darstellen – allein dadurch, dass die Peergroup in der Phase der Jugend zunehmend an Bedeutung gewinnt. Das Fehlen des Gefühls von Zugehörigkeit zu Gleichaltrigen kann zum einen dazu führen, dass Jugendliche beispielsweise mit dem Konsum von Cannabis beginnen, um sich einer Gleichaltrigengruppe, in der der Konsum von Cannabis Teil der Gruppenidentität ist, zugehörig zu fühlen. Der Konsum von Cannabis kann hier zum anderen aber auch als Kompensationsmechanismus für das Aushalten belastender Gefühle aufgrund der fehlenden Zugehörigkeit genutzt werden (vgl. Meyenberger/Scholz/Buisman 1993 S.70).
Generell lässt sich sagen, dass es nur selten dazu kommt, dass Jugendliche alleine mit dem Cannabiskonsum beginnen. In den häufigsten Fällen kommen Jugendliche das erste Mal innerhalb der Peergroup mit der Substanz in Berührung (vgl. ebd.). Je nach-dem welche Einstellungen und Werte innerhalb einer Peergroup gelebt werden und durch welche Eigenschaften sich die Gleichaltrigen innerhalb der Peergroup als zusammengehörig definieren, kann es dazu kommen, dass Jugendliche mit dem Konsum von Cannabis nahezu wie selbstverständlich beginnen, da er die Zugehörigkeit zu der Peergroup ausdrückt.

2.3 Schule
Zunächst einmal lässt sich feststellen, dass die Phase der Jugend meist von ähnlicher Dauer ist wie die Länge der Schulzeit. Jugendliche sind also neben der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben gleichzeitig mit einem hohen schulischen Leistungsdruck konfrontiert. Dieser Druck wird hierbei nicht nur durch die Institution selbst (beispielsweise durch die Vergabe von Noten und der dadurch entstehenden Kategorisierung in „gute“ und „schlechte“ Leistung) ausgelöst. Von großer Bedeutung können hier auch die Erwartungen der Eltern an die Leistungen der Jugendlichen, aber auch durch die Ansprüche zukünftiger potentieller Arbeitgeber auf das Vorliegen bestimmter Bildungsabschlüsse sein (vgl. ebd., S.67f.). Ebenfalls ist innerhalb der leistungsorientierten Schullaufbahn wenig Platz für Erfahrungen, welche selbstwert- und persönlichkeitsstärkend sind. Die Jugendlichen werden hier meist nicht mit ihren persönlichen Ressourcen und Kompetenzen wahrgenommen, sondern lediglich nach schulischen Leistungen durch Noten bewertet (vgl. ebd., S.67).

Haben Jugendliche keine persönlichen Strategien, um mit diesem Leistungsdruck an-gemessen umzugehen, kann es dazu kommen, dass Jugendliche den Konsum von Drogen als kurzfristige Lösungsstrategie empfinden, dem Druck zumindest temporär zu entkommen (vgl. ebd., S.67 f.).
Außerdem lässt sich beobachten, dass die Ablösung vom Elternhaus in Bezug auf das Finden eigener Verhaltensweisen und dem Definieren individueller Ziele zwar bereits in der Phase der Jugend stattfindet – die finanzielle Ablösung vom Elternhaus sich allerdings teilweise bis in das dritte Lebensjahrzieht verschieben kann. Dies bringt das spätere Erleben von Nützlichkeit und Selbstständigkeit im Rahmen der Erwerbstätigkeit mit sich, da diese erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgeübt werden kann (vgl. ebd., S.67). Dies kann bei Jugendlichen und junge Erwachsenen das Gefühl aufkommen lassen, „nichts für die Gesellschaft zu leisten“. Auch hier kann der Konsum von Cannabis die Funktion einnehmen, dieses Gefühl der eigenen Nutzlosigkeit nicht empfinden zu müssen bzw. für einen kurzen Zeitraum vergessen zu können.
Des Weiteren lässt sich feststellen, dass das Risiko zum Einstieg in den Drogenkonsum bei Kindern und Jugendlichen steigt, die keine „gradlinig“ verlaufende Schullauf-bahn aufweisen: vor allem die empfundene Benachteiligung durch Schulsysteme, aber auch das Abbrechen der Schule oder ein unregelmäßiger Schulbesuch zählen zu Faktoren, die einen Einstieg in den Konsum von Drogen begünstigen können (vgl. ebd., S.68).

3 Droge
Bei der Entstehung von Konsum spielt für Jugendliche die Wirkung der Droge vorerst eine nachrangige Rolle – hier geht es also eher darum, die Zugangswege zu bestimmten Substanzen zu erkennen und zu verstehen, aus welchen Gründen sich Jugendliche für den Konsum entscheiden. Wie bereits beschrieben, kommt es selten dazu, dass Jugendliche alleine mit dem Konsum beginnen. Der Zugang zu Suchtmitteln entsteht in den meisten Fällen durch die Peergroup (vgl. ebd., S. 70).
Bei der Entstehung einer Sucht kommt nun allerdings auch der Wirkung der jeweiligen Droge eine Bedeutung zu: wird die Wirkung als angenehm empfunden und mit positiven Erinnerungen assoziiert, ist ein erneuter Konsum wahrscheinlicher als bei ersten negativen Erfahrungen. Durch die Erwartungen positiver Auswirkungen durch den Konsum wird dieser fortgeführt. Es kann hierbei dazu kommen, dass Jugendliche den Konsum von stimmungsaufhellenden Drogen (wozu auch Cannabis zählt) als Mittel nutzen, belastende Emotionen nicht bzw. angenehme Emotionen wieder spüren zu können. Dies führt zu einem „Lernprozess“, durch den mit der Einnahme der Substanz Erwartungen positiver Auswirkungen einhergehen und somit immer häufiger konsumiert wird, um den angenehmen Zustand wiederzuerlangen (vgl. Fischer/Lammel 2009, S.26).
Das Weiterführen des Konsums kann auch davon abhängig sein, welche Stellung der Konsum von Drogen im nahen Umfeld der Jugendlichen hat. Gehört der Konsum beispielsweise im Rahmen einer Peergroup zu deren identitätsstiftendem Verhalten, ist es möglich, dass Jugendliche nach einem ersten Konsum, selbst wenn dieser nicht ausschließlich mit positiven Erfahrungen einherging, weiterhin konsumieren werden. Auch die Verfügbarkeit der Droge muss für das Fortsetzen des Konsums gegeben sein, was je nach Umfeld der Jugendlichen variieren kann (vgl. Riesenhuber 2013, S.47). Natürlich spielt hier auch das Suchtpotenzial der konsumierten Substanz eine wesentliche Rolle (vgl. ebd.). Cannabis zählt als Droge, durch deren Konsum sich sowohl eine körperliche als auch eine seelische Abhängigkeit entwickeln kann.

4 Sozioökonomischer Status
Der Sozioökonomische Status setzt sich aus dem Bildungsniveau, dem Beruf und dem Einkommen eines Menschen zusammen. Er verknüpft somit mehrere Merkmale, um die Stellung einer Person innerhalb der Gesellschaft ermitteln zu können (vgl. Ditton/Maaz 2011, S.193). Die Höhe des Sozioökonomischen Status kann neben den bis-her bereits aufgeführten Faktoren ebenfalls sowohl Schutz- als auch Risikofaktor beim Einstieg in den Konsum von Drogen und bei der Entstehung von Sucht bilden. Bei Kindern und Jugendlichen hängt der Sozioökonomische Status vom Elternhaus ab. Hier gibt es also eine direkte Verknüpfung zwischen dem gesellschaftlichen Status der Jugendlichen und deren Familie. Als Risiko kann dann gesehen werden, wenn der Konsum von (illegalen) Drogen im Umfeld der Jugendlichen nicht nur toleriert wird, sondern gegebenenfalls eine positive Einstellung gegenüber dem Konsum herrscht. Das daraus resultierende eigene Bild der Jugendlichen über den Konsum von Drogen wird durch die im Umfeld vorherrschenden Meinungen und Ansichten gefärbt und kann somit von den Jugendlichen selbst übernommen werden (vgl. Jordan/Sack 2009, S.130).
Neben diesen Einflüssen können auch niedrige finanzielle Ressourcen, wenig Zugang zu Bildung und fehlende soziale Beziehungen Risikofaktoren zum Einstieg in Drogenkonsum bilden. Hier wird erneut deutlich, dass der Sozioökonomische Status vom Elternhaus geprägt ist und somit beispielsweise auch der Zugang zu Bildung von diesem abhängt (vgl. ebd., S.135). Dennoch darf hier nicht außer Acht gelassen werden, dass der Konsum von Drogen nicht zwangsläufig mit einem niedrigen Sozioökonomischen Status einhergeht, sondern dass es auch in Familien mit hohem Sozioökonomischen Status zum Konsum von Drogen kommen kann. Lediglich die Art der Substanz kann sich gegebenenfalls je nach Milieu und Einfluss durch das Umfeld unterscheiden; das Vorkommen des Konsums illegaler Drogen kann jedoch nicht auf einzelne Gruppen beschränkt werden.

5 Gesetzgebung und mediale Darstellung
Als weiteren Faktor zur Entstehung von Konsum und Sucht lässt sich die Gesetzgebung nennen: je nach Einordnung eines Substanzmittels als legal oder illegal geht hier auch eine staatliche Bewertung der Suchtmittel mit einher (vgl. Hoch/Petersen/Thomasius 2012, S.150).
In Deutschland regelt das Betäubungsmittelgesetz (BtMG), welche Stoffe bzw. Stoff-gruppen illegal (d.h. deren Konsum gesetzeswidrig ist) sind. In Anlage III dieses Gesetzes ist Cannabis unter den „verkehrsfähigen und verschreibungsfähigen Betäubungsmitteln“ aufgeführt. Cannabis darf hiernach lediglich zu medizinischen Zwecken unter staatlicher Kontrolle angebaut werden (vgl. Anlage III BtMG). Einer Person, die „ […] Betäubungsmittel unerlaubt anbaut, mit ihnen Handel treibt, sie, ohne Handel zu treiben einführt, ausführt, veräußert, abgibt, sonst in den Verkehr bringt, erwirbt oder sich in sonstiger Weise verschafft, Betäubungsmittel besitzt, ohne zugleich im Besitz einer schriftlichen Erlaubnis für den Erwerb zu sein […]“ droht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe (§29 Absatz 1 BtMG). Hier kommt in Bezug auf den Konsum von Cannabis hinzu, dass der Besitz und das Handeln mit Cannabis illegal und somit strafbar sind. Dies ist vor allem im Rahmen der Arbeit mit Jugendlichen von großer Wichtigkeit, da Jugendliche sich durch den Besitz strafbar machen und gegebenenfalls zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden könnten, was einen großen Einschnitt im Leben von Jugendlichen darstellen kann.
Neben den gesetzlichen Regelungen kann auch die mediale Darstellung die Einstellung zu Konsummitteln prägen (vgl. Jordan/Sack 2009, S.135). Beispielsweise kann Werbung für Zigaretten oder Alkohol dafür sorgen, dass Jugendliche mit dem Konsum dieser Suchtmittel positive Auswirkungen assoziieren.
Sowohl Gesetzgebung als auch Medien können hierbei Schutz- oder Risikofaktor zum Einstieg in den Konsum sein, je nachdem wie die Suchtmittel dargestellt werden und welche gesetzliche Einordnung sie haben.

Quellenangaben:

S. Jordan, P.-M. Sack (2009): Schutz- und Risikofaktoren. In: Rainer Thomasius, Michael Schulte-Markwort, Udo J. Küstner und Peter Riedesser (Hg.): Suchtstörungen im Kindes- und Jugendalter. Das Handbuch ; Grundlagen und Praxis ; mit 98 Tabellen und 30 Fallbeispielen. 1. Aufl. Stuttgart: Schattauer GmbH Verlag für Medizin und Naturwissenschaften.

Weber, Klaus: Betäubungsmittelgesetz. Arzneimittelgesetz, Anti-Doping-Gesetz, Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz : Kommentar. 5., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Online verfügbar unter https://beck-online.beck.de/?vpath=bibdata/komm/WeberBtMGKO_5/cont/WeberBtMGKO%2Ehtm.

Eva Hoch, Kay-Uwe Petersen, Rainer Thomasius (2016): Cannabis. In: Rigo Brueck und Ralf Demmel: Praxisbuch Sucht. Therapie der Suchterkrankungen im Jugend- und Erwachsenenalter. 2., überarbeitete Auflage. Hg. v. Anil Batra und Oliver Bilke-Hentsch. Stuttgart, New York: Georg Thieme Verlag.

Riesenhuber, Martin: Drogengebrauch bei Jugendlichen von „normalem“ zu „riskantem“ Konsum. Dissertation.

Reinders, Heinz (2011): Empirische Bildungsforschung. Gegenstandsbereiche. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH Wiesbaden. Online verfügbar unter http://dx.doi.org/10.1007/978-3-531-93021-3.

Marc Fischer, Ute Antonia Lammel (2009): Jugend und Sucht – Analysen und Auswege. Patientenprofile und Empfehlungen für die pädagogisch-therapeutische Behandlung in Psychatrie und Jugendhilfe. Opladen & Farmington Hills, MI: Barbara Budrich.

Meyenberg, Rüdiger; Scholz, Wolf-Dieter; Buisman, Wim (1993): Jugendliche und Drogen. Das Thema Sucht in Schule und Unterricht. Hannover: Hahn (Hahn).

Upekkha – Was „Gleichmut“ bedeutet und was er mit sich bringt

Upekkha – Was „Gleichmut“ bedeutet und was er mit sich bringt

Im Rahmen einer Meditation bin ich zum ersten Mal auf den Begriff „Upekkha“ (übersetzt: Gleichmut) gestoßen.

Der Duden definiert Gleichmut als „Ausgeglichenheit, Gefasstheit und Unerschütterlichkeit“. Allein diese drei Begriffe sind sehr unterschiedlicher Natur und bilden doch im Begriff des Gleichmutes eine Einheit.

Wir bezeichnen eine Person als ausgeglichen, die sich ruhig verhält, die das Gefühl vermittelt, „im Reinen“ mit sich zu sein. Als „gefasst“ beschreiben wir Menschen, von denen wir das Gefühl haben, dass sie fest mit beiden Beinen im Leben stehen, dass sie wissen wer sie sind und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Unerschütterlichkeit geht hier meines Erachtens noch einen Schritt weiter: Menschen lassen sich nicht nur nicht aus der Ruhe bringen, sondern können für das, was ihnen wichtig ist, einstehen und sich positionieren – auch wenn sie Gegenwind bekommen.

Im Rahmen der Meditation wird der Begriff der Gleichmut dahingehend verwendet, dass man es schafft, zu jedem Zeitpunkt, also auch in schwierigen Situationen, die eigene Ruhe nicht zu verlieren. Anders als „Gleichgültigkeit“ bedeutet Gleichmut, dass wir Dinge wahrnehmen und erkennen, dass wir sie aber nicht bewerten und ihnen gegenüber positive oder negative Gefühle entwickeln. Es bedeutet, dass wir wahr- und annehmen was ist – ungeachtet unserer Normen und Werte. Wir beobachten, beschreiben aber bewerten nicht, was um uns herum und in uns passiert.

Eine solche Grundhaltung kann vor allem in Situationen, in denen die Veränderung dieser nicht in unserer Hand liegt, von großer Relevanz sein. Vor allem als Sozialarbeiter*innen, aber natürlich auch im Privatleben, werden wir oft mit Situationen konfrontiert, die uns traurig machen oder in uns ein Gefühl von Ohnmacht auslösen. Es ist eine hohe Kunst, in solchen Situationen nicht das Handtuch zu werfen und einen wertfreien Blick auf die Situation zu finden. Umso mehr bietet es sich an, dieses Gefühl von Gleichmut auch im Alltag anzustreben und sich immer wieder daran zu erinnern was es bedeutet.

Dies können wir beispielsweise praktizieren, in denen wir uns im Alltag bewusst unvoreingenommen auf Situationen einlassen. Dies mag banal klingen – kann in der Umsetzung allerdings auch schon im Kleinen viel bewirken. Vor allem die Bewertung unserer Mitmenschen passiert kognitiv beinahe automatisch. Sobald wir Menschen begegnen, beginnen wir, sie einzuordnen. Diese Einordnung dient der Zurechtfindung im Alltag und vereinfacht somit das Leben enorm. Nun können wir hier darauf achten, dieser Einordnung keine zu große Bedeutung zukommen zu lassen und Personen offener begegnen. Nicht mit bestimmten Vorurteilen oder Annahmen in Gespräche zu gehen, kann ganz neue Facetten eines Menschen zeigen, die wir nicht sehen würden, wenn wir sie direkt „in eine Schublade“ stecken  und nur in diesem Rahmen die Eigenschaften des Menschen sehen würden.

Damit einhergehend ist es schlüssig, die eigenen Erwartungen an Situationen oder auch gegenüber Personen im eigenen Sozialen Umfeld oder gegenüber Klient*innen einmal zu hinterfragen. Durch eine gewisse Erwartungshaltung gegenüber anderen färben wir Verhalten und Situationen so und werden blind für andere Sichtweisen. Eine offene Haltung einzunehmen kann auch dazu führen, weniger Enttäuschung zu erleben, da wir uns nicht bestimmte Dinge erhoffen, sondern auf uns zukommen lassen, was passiert.

Dies lässt sich jedoch nicht nur auf Personen oder Situationen in unserem Umfeld anwenden, sondern auch auf den Umgang mit uns selbst übertragen. Wenn wir unsere eigenen Gefühle und Gemütszustände wahrnehmen, ohne sie zu werten, kann es sehr viel Leid ersparen. Gleiches gilt für die Erwartungen sich selbst gegenüber. Steckt man diese sehr hoch, ist es vorprogrammiert, in Enttäuschung zu landen, wenn diese nicht erfüllt werden.

Gleichmut gegenüber uns selbst und anderen führt zu einer offenen und vor allem wertschätzenden Haltung, welche es ermöglicht, Menschen und Situationen mit ihren Eigenschaften wahrzunehmen und unvoreingenommen neue (Selbst-) Erfahrungen sammeln zu können.

Entdramatisieren leicht gemacht – die Katastrophenfrage

Entdramatisieren leicht gemacht – die Katastrophenfrage

Häufig sehen sich Berater*innen in Beratungssituationen damit konfrontiert, dass Klientinnen und Klienten sich nicht vorstellen können, ein anderes Verhalten als das für sie dysfunktionale zu zeigen. Dies liegt oftmals darin begründet, dass hinter jedem Verhalten bestimmte Bewertungen von Situationen liegen, welche sich aus dem Normen- und Wertesystem eines Menschen ableiten lassen. Diese Normen und Werte bestehen über eine lange Zeit und entscheiden über Bewertung und dem daraus folgenden Verhalten und Gefühl in einer Situation.

Um eine Änderung im Verhalten herbeizuführen und tatsächlich auch zu etablieren ist es daher von großer Wichtigkeit, sich dem eigenen Normen- und Wertesystem zuerst einmal bewusst zu werden. Denn nur durch die Reflexion eigener Sichtweisen lassen sich neue überhaupt aufzeigen.

Es ist allerdings leichter gesagt als getan, sich diesen eigenen grundlegenden Bewertungssystemen bewusst zu werden.

Eine hierbei nützliche Technik kann die „Katastrophenfrage“ sein. Hierbei geht es darum zu erfragen, was das schlimmstmögliche wäre, das passieren könnte, wenn sich der Klient/die Klientin nicht so verhält wie sie es bisher immer getan hat.

Ein Beispiel hierfür:

Eine junge Frau steht vor der Entscheidung, noch auf eine Party zu gehen, obwohl es schon spät ist und sie auch müde ist.

Ihre Begründung trotz der Umstände doch noch zu gehen, sind, dass sie ihren Freunden und Freundinnen ja zugesagt habe und Angst habe, etwas zu verpassen.

Hier kann man danach fragen, was das schlimmste wäre, das passieren könnte, wenn sie ihren Bedürfnissen (nämlich Ruhe und Schlaf) nachgehen würde und was das Schlimmste wäre, was die verpassen würde.

Ziemlich schnell wird der jungen Frau hier bewusst, dass es gar nichts allzu „Wichtiges“ gab, dass sie hätte verpassen können.

Durch die Frage nach der größten Katastrophe, die passieren kann, lässt sich oftmals die Angst vor neuen Verhaltensweisen nehmen. Durch das Hinterfragen der eigenen Bewertungssysteme kann es Klienten und Klientinnen gelingen, sich selbst zu reflektieren und so neue Wege für sich in Betracht zu ziehen.

Anders als von außen gesagt zu bekommen was ein „besseres“ verhalten sein könnte, können Klienten und Klientinnen so zum einen sich selbst verstehen und sich zum anderen selbst durch die Hilfe der gezielten Nachfrage seitens der beratenden Person die Angst vor Neuem oder Ungewohntem nehmen.

Natürlich ist es von großer Wichtigkeit, dass die beratende Person sensibel dafür ist, ob Klient oder Klientin für die „Katastrophenfrage“ bereit sind oder nicht. Befindet sich die zu beratende Person in einer tiefen, sehr realen Krise, könnte die Frage eher kontraproduktiv sein.

Natürlich können wir die Frage nicht nur unterstützungsuchenden Menschen sondern auch uns selbst stellen. Vor allem in Situationen, in denen wir dysfunktionale Gedanken oder irrationale Überzeugungen bei uns selbst entdecken, lohnt es sich, diese Technik auch einmal für uns anzuwenden, da die A) auch uns helfen kann, eine Situation realistischer einzuschätzen und es B) von großer Wichtigkeit ist, zu wissen, mit welcher Aufgabe wir Klienten und Klientinnen konfrontieren, wenn wir ihnen diese Frage stellen.

Tanz als Methode der Sozialen Arbeit mit Kindern im Grundschulalter – eine Reflexion der eigenen Arbeit

Tanz als Methode der Sozialen Arbeit mit Kindern im Grundschulalter – eine Reflexion der eigenen Arbeit

In der Sozialen Arbeit gibt es vielfältige Methoden, mit Kindern und Jugendlichen bestimmte Kompetenzen zu erlernen. Seit meiner Arbeit in einer Nachmittagsbetreuung für Grundschulkinder zähle ich das Tanzen zu einer der effektivsten Methoden, mit Kindern und deren Lebenswelt in Kontakt zu kommen und mit ihnen gemeinsam durch das Tanzen bestimmte Kompetenzen zu entwickeln.

Zweimal wöchentlich durfte ich über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren Tanzunterricht für ca. 25 Kinder anbieten. Hierbei wurden die Kinder in drei Gruppen aufgeteilt, um die Gruppengröße überschaubar zu halten.

Gerade bei Kindern, welche im Elternhaus wenig Struktur erfuhren, war es für mich wichtig, von Beginn an bestimmte „Regeln“ für den Tanzraum und das Miteinander während des Tanzens festzulegen, damit für alle Kinder klar war, auf welcher Grundlage der Tanzunterricht stattfinden wird. Hier war es für mich von großer Wichtigkeit, die Regeln gemeinsam mit den Kindern zu entwerfen. So hatten sie die Möglichkeit zur Mitgestaltung der Regeln, welche letztendlich das Verhalten im Tanzraum als auch das Verhalten untereinander regeln sollten. Kinder entschieden sich beispielsweise für Regeln wie diese:

„Wir stürmen nicht in den Tanzraum, wenn eine andere Gruppe gerade tanzt“

„Jede Tanzgruppe bekommt gleichviel Zeit zum Tanzen“

„Wir lachen niemanden aus“

„Wir flüstern oder lästern nicht“

„Wenn es Probleme gibt, werden sie angesprochen und geklärt“

Die Regeln wurden im Tanzraum ausgehangen, damit sie für alle Beteiligten gut sichtbar waren. Um den Kindern die Bedeutung und Ernsthaftigkeit der Regeln zu verdeutlichen war von Anfang an klar, dass ein Verstoß gegen diese Regeln zum Ausschluss aus dem Tanzunterricht führen kann. Im Nachhinein denke ich, dass diese Vorgehensweise es ermöglichte, viele der nachfolgend erläuterten Kompetenzen mit den Kindern zu erlernen. Eine von den Kindern geschaffene Grundlage war von großer Bedeutung, um ein angenehmes Miteinander und einen Rahmen zu schaffen, in dem sich die Kinder frei und kreativ entfalten konnten.

Im Folgenden möchte ich nun darauf eingehen, welche unterschiedlichen Kompetenzen die Kinder durch den Tanzunterricht erlernten. In meiner Eine besondere Verbesserung der Kompetenzen ließ sich in sechs unterschiedlichen Bereichen festmachen: Sportlichkeit, Sozialverhalten, Stressreduktion, Musiklehre, Selbstsicherheit und Identifikation. Diese sollen nun im Folgenden genauer erläutert werden.

Sportlichkeit

Natürlich bedeutet Tanzen Bewegung: Die Kinder sind während der Tanzstunden nahezu durchgängig in Bewegung. Sie hüpfen, drehen, dehnen sich zur Musik. Dadurch werden zum einen die Ausdauerfähigkeiten der Kinder trainiert. Außerdem wird durch das Dehnen während der Aufwärm- und Abkühlphase zum anderen die Flexibilität der Kinder verbessert. Durch verschiedene Gymnastikübungen gelingt es den Kindern nach nur kurzer Zeit bereits erste Erfolge wahrzunehmen, wie zum Beispiel das Ausüben eines Spagates oder ihre Knie bei ausgestreckten Beinen mit ihrer Nase berühren zu können. Neben diesen beiden positiven Effekten ließ sich feststellen, dass sich die koordinativen Fähigkeiten der Kinder massiv besserten. Durch das Erlernen neuer Tanzschritte sind sie ständig gefordert, verschiedene Körperbereiche und deren Bewegungen miteinander zu koordinieren. Vor allem ließ sich feststellen, dass Kinder, welche große Einschränkungen im Bereich der koordinativen Fähigkeiten aufwiesen, durch das Tanzen sehr schnell ein besseres Gefühl für ihren Körper und die ausgeführten Bewegungen entwickelten.

Musiklehre

Neben den sportlichen Aspekten konnte beobachtet werden, dass die Kinder bereits nach wenigen Tanzstunden erste Kompetenzen im Bereich der Musiklehre entwickelten. Sie erkannten beispielsweise, dass Refrain und Strophe mit der jeweils gleichen sich wiederholenden Schrittreihenfolge getanzt wurden. So erlernten sie durch das Tanzen spielerisch den Aufbau von Songs.

Des Weiteren wurde durch das Bewegen zur Musik das Rhythmusgefühl der Kinder gebessert. Sie lernten schnell, sich zum Takt der Musik zu bewegen, Bewegungen auf bestimmten Zählzeiten auszuführen und Einsätze bestimmter Choreographieparts eigenständig zu finden. Wenn auch die Unterschiede des Rhythmusgefühls der Kinder teilweise sehr unterschiedlich war, ließ sich bei allen Kindern eine Steigerung dessen feststellen.

Stressreduktion

Außerdem konnte beobachtet werden, dass es den Kindern gelang, sich während des Tanzens zumindest einen Großteil der Zeit auch nur darauf zu konzentrieren. Der Tanzraum wurde als geschützter Rahmen wahrgenommen, in dem sich die Kinder frei bewegen und ihrer Energie und Kreativität freien Lauf lassen können. Auch war es eine Möglichkeit für die Kinder, den Stress von Schule, Hausaufgaben und Lernen für eine Weile zu vergessen und sich auf das Tanzen zu konzentrieren. Tanzen lässt sich hier im weitergefassten Sinne also als eine Art Meditation sehen, während dieser die Kinder ganz bei sich, ihrem Körper und der Tanzgruppe sind, ungeachtet dessen, was an dem Tag bereits passiert war oder noch kommen wird.

Um dieses Gefühl zu erreichen bedurfte es natürlich einiger Vorbereitung, damit der Tanzraum tatsächlich wie eben beschrieben genutzt werden konnte. Wie bereits erwähnt spielten hier die erarbeiteten Regeln für den Tanzraum und das Miteinander eine wichtige Rolle, damit den Kindern ein geschützter Rahmen geboten werden konnte.

Identifikation

Durch das Tanzen in der Gruppe ließ sich erkennen, dass sich einige der Kinder nach relativ kurzer Zeit bereits mit der Tanzgruppe und dem Tanzen identifizierten. Sie nahmen es als ihr Hobby an. Tanzen wurde für sie zu etwas, mit dem sie sich beschreiben konnten. Einige der Kinder fingen an, sich auch außerhalb des Tanzunterrichtes mit Musik und Tanz zu befassen. Sie hörten beispielsweise zu Hause die Musik, auf die Choreographien einstudiert wurden und übten sie zu Hause. Auch begannen einige der Kinder, sich selbst Choreographien auszudenken. Berichten der Eltern zufolge beschäftigten die Kinder sich teilweise auch in ihrer Freizeit alleine mit Tanz und Musik oder verabredeten sich sogar, um gemeinsam tanzen und neue Tänze entwickeln zu können. Gerade im Kindes- und Jugendalter spielt Identitätsentwicklung eine große Rolle. Von daher ist es umso wichtiger, Kindern und Jugendlichen einen Rahmen zu bieten, in dem sie sich erleben und erörtern können, was sie gerne mögen und woran sie Freude haben – womit sie sich also identifizieren können.

Des Weiteren wuchsen die einzelnen Tanzgruppen zu festen Gruppen zusammen. Kam es dazu, dass Kinder beispielsweise aus Krankheitsgründen nicht da waren, sahen einige der anderen Kinder die Gruppe nicht als vollständig. Dass die Tanzgruppe für die Kinder an Wichtigkeit zunahm zeigte sich auch daran, dass sie enttäuscht und traurig waren, wenn sie vom Tanzunterricht ausgeschlossen wurden, beispielsweise weil sie gegen die Regeln des Tanzraumes verstoßen oder den Tanzunterricht anderweitig massiv gestört haben.

Sozialkompetenz

Was vor allem beobachtet werden konnte war, dass einige der Kinder, welche beispielsweise Schwierigkeiten in der Emotionsregulation oder bei Konfliktlösestrategien hatten, dies innerhalb des Tanzunterrichtes sehr verbessern konnten. Aufgrund des Regelkatalogs, welcher zu Beginn der Tanzstunden gemeinsam mit den Kindern erarbeitet wurde, war allen Kindern bewusst, auf welcher Grundlage im Umgang miteinander gemeinsam getanzt wurde. Da das Tanzen für die Mehrheit der Kinder eine große Bedeutung hatte, schafften es selbst jene, die im Umgang mit anderen Kindern oft in Konflikte gerieten, sich an die Verhaltensregeln zu halten und Konflikte auf eine angemessene gewaltfreie Weise zu klären. Natürlich bedurfte es hier oftmals Geduld und es kam hin und wieder vor, dass Kinder den Tanzunterricht aufgrund ihres Verhaltens verlassen mussten, allerdings wurde dies im Laufe der eineinhalb Jahre immer seltener. Auch untereinander achteten die Kinder immer häufiger darauf, dass andere Kinder nicht ausgelacht wurden, jede Tanzgruppe gleichviel Zeit zum Tanzen zur Verfügung hatte etc. Der gemeinsam etablierte Regelkatalog wurde sozusagen zum Selbstläufer und immer mehr von den Kindern selbst um- und durchgesetzt.

Des Weiteren lernten die Kinder, Rücksicht aufeinander zu nehmen. Beim Einstudieren neuer Choreographien kristallisierte sich schnell heraus, dass einigen Kindern dies schneller gelang als anderen. Hier war es meine Aufgabe, die Kinder, die langsamer lernten als andere weiterhin zu unterstützen und ihnen Mut zuzusprechen, das Tanzen nicht aufzugeben. Genauso taten es dann auch die Kinder untereinander: sie erklärten sich gegenseitig die Tanzschritte und übten die Choreographien auch außerhalb der offiziellen Tanzstunden im Hort. Dadurch entstanden neue Freundschaften und Peergroups, welche auf der Grundlage des gemeinsamen Interesses am Tanzen beruhten. Vor allem auch bei den Jungen war eine spannende Entwicklung zu beobachten: Anfangs wollten die Jungen der 3. und 4. Klasse meist allein und nicht mit den „Kleinen“ (1. und 2. Klasse) tanzen. Da es allerdings teilweise organisatorisch nicht möglich war, die beiden Gruppen voneinander getrennt zu unterrichten, ließen sich die älteren Jungen darauf ein, abwechselnd mit den jüngeren Jungen zu tanzen. Nach einiger Zeit allerdings führte die gemeinsame Zeit im Tanzraum dazu, dass die älteren Jungen Gefallen daran fanden, den Jüngeren ihre Tanzschritte beizubringen und sie zu unterstützen. Somit entstanden auch hier neue Verbindungen zwischen den Kindern, die vermutlich im „normalen“ Alltag nicht entstanden wären.

Selbstsicherheit

Für mich als Sozialarbeiterin ist vor allem das Erleben von Selbstwirksamkeit von sehr großer Wichtigkeit. Hierzu ist es nötig, Kindern den Raum zu geben, sich zu entfalten und ihre Fähigkeiten zu entdecken, zu stärken, und auch präsentieren zu können. Tanzen ist für mich eine wunderbare Möglichkeit, diesen Raum zu schaffen:

Zum einen erlebten die Kinder in jeder Tanzstunde kleine Erfolgserlebnisse. Egal ob es das Erlernen neuer Tanzschritte, das Ausdenken eigener Choreographien oder das positive Erleben in der Gruppe war – die Kinder hatten durch den Tanzunterricht die Möglichkeit, sich jenseits vom Schulalltag frei zu entfalten. Zum anderen konnte ich bei vielen der Kinder beobachten, wie sie nach und nach immer weiter auftauten. Während sie beispielsweise anfangs nicht selbst mittanzen sondern nur zusehen wollten, so dauerte es oftmals nicht lange, bis sie auch einmal mittanzten. Gerade auch bei den Jungen konnte ich beobachten, dass einige, welche zu Beginn des Tanzunterrichtes sehr unsicher mit sich und ihrem Körper wirkten, mit der Zeit freier wurden und sich trauten, größere Bewegungen zu machen und mehr Raum durch ihr Tanzen einzunehmen. Vor allem auch durch diverse Auftritte, welche teilweise intern, aber auch in Gottesdiensten stattfanden, hatten die Kinder die Möglichkeit, ihr Erlerntes zu präsentieren. Dies war den Kindern besonders wichtig und man merkte ihnen an, wie stolz sie auf ihre eigene Leistung im Tanzen waren. Auch war es den Kindern wichtig, ihre Tänze vor den Eltern zu präsentieren. Bereits direkt nach dem ersten Auftritt fragten mich einige der Kinder, wann es die Möglichkeit für einen weiteren Auftritt gäbe. Dies zeigt, dass sie auch die Rückmeldung der Zuschauer*innen durch den Applaus und das Lob der erbrachten Leistung annehmen konnten.

Hieran wurde für mich sehr deutlich, dass die Kinder nicht nur Freude am Tanzen entwickelten, sondern ihre Kompetenzen auch für sich selbst sahen und annehmen konnten. Sie waren sich bewusst, dass sie bestimmte Choreographien und Schritte gelernt hatten und führten diese selbstbewusst vor einer großen Menge an Menschen vor.

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass Tanz in der Sozialen Arbeit durchaus als eine Methode zur Stärkung verschiedener Kompetenzbereiche bei Kindern geeignet ist. Darüber hinaus bin ich überzeugt davon, dass Bewegung und kreative Entfaltung gerade neben dem Schulalltag von großer Wichtigkeit ist. Sich selbst erleben, den eigenen Körper durch Bewegung erfahren und eigene Stärken zu erkennen tut sowohl dem Körper als auch dem Geist gut und stärkt das Gefühl der Selbstsicherheit. Vor allem im oftmals stressigen und lauten Schul- und Betreuungsalltag sollte Kindern der Raum gegeben werden, sich jenseits von Bewertungen und dem Gefühl, Leistung bringen zu müssen, frei bewegen zu können. Es bedarf dafür einige Vorbereitung und vermutlich auch Zeit, in der sich die Kinder in der Gruppe aneinander und an das Miteinander gewöhnen. Wenn dies aber überwunden und Vertrauen als Basis der Zusammenarbeit geschaffen ist, kann Tanz neben Alltag und Stress als Auszeit gesehen werden, in der man ganz nebenbei und auf spielerische Art und Weise einen großen Kompetenzzuwachs erlebt.

Durchhaltevermögen – die Grundlage für Heilung?

Durchhaltevermögen – die Grundlage für Heilung?

Egal in welchem Feld der Beratung oder Therapie man sich befindet – je nach Beratungs – oder Therapieansatz werden diverse Eigenschaften als maßgeblich für Beratungs- bzw. Therapieerfolg gesehen.

Heute soll es um den Begriff des Durchhaltevermögens gehen. Meiner Meinung und Erfahrung nach ist ein hohes Durchhaltevermögen eines Menschen die Basis einer gelingenden Beratung bzw. Therapie.
In vielen verhaltenstherapeutischen Ansätzen geht es vor allem darum, bestimmte Verhaltensweisen zu meiden bzw. zu unterlassen und/oder neue Verhaltensweisen zu erlernen. Vor allem im Suchtbereich wird diese Therapieform oft genutzt, um das Verhalten des Konsum zu analysieren und Alternativen zum Konsum zu finden und in den Alltag zu integrieren. Natürlich sind verhaltenstherapeutische Maßnahmen sinnvoll und notwendig, um erlerntes (Sucht-)verhalten umlernen zu können.
Dabei wird allerdings ein wichtiger Faktor oftmals unterschätz und meiner Ansicht nach viel zu wenig gewürdigt: das Durchhaltevermögen.
Alleine die Entscheidung, eine Beratungsstelle aufzusuchen, ist oftmals ein langwiriger und schwieriger Prozess für Klient*innen. Noch bevor der erste Kontakt zu einer Beratungsstelle aufgenommen wird, müssen Klient*innen sich ihrer Lage bewusst sein. Meistens wurden vor der Kontaktaufnahme schon einige Versuche unternommen, die Problemlage eigenständig zu bearbeiten – aber leider ohne Erfolg.
Schon hier bedarf es seitens der Sozialarbeiter*innen einer Würdigung des Durchhaltevermögens der Klient*innen. Es ist unglaublich wichtig, den Klient*innen zu verdeutlichen, wie viel Kraft dazu gehört, sich zu entscheiden, eine Beratung in Anspruch zu nehmen, auch wenn dies für „gesunde“ Menschen erst einmal banal erscheint.
Natürlich ist es auch im weiteren Verlauf einer Beratung bzw. Therapie entscheidend, ob die zu beratende Person über ein hohes Durchhaltevermögen verfügt oder nicht. Wichtig ist es, hier zu erwähnen, dass ein geringes Durchhaltevermögen in keiner Weise in Bezug zu geringer Motivation/Willen steht. Menschen, welche ihre Ressourcen nicht ansteuern bzw. aktivieren können und/oder selbst wegen ihrer Problemlage über wenig Kraft verfügen, KÖNNEN kein Durchhaltevermögen zeigen. Ganz wichtig ist hier: Dies bedeutet nicht, dass sie nicht gesund werden WOLLEN!

Was ist nun unsere Aufgabe als Sozialarbeiter*innen?

Meiner Ansicht nach geht es darum, mit Menschen die Gegebenheiten zu entwickeln, die es zulassen, Durchhaltevermögen zu zeigen.

Schaut man sich eine Definition von Durchhaltevermögen an, so findet man die Bedeutung „Kraft zum Durchhalten“

(vgl. https://www.duden.de/rechtschreibung/Durchhaltevermoegen).

Wie aber soll ein Mensch, der mit den Kräften am Ende ist, die Kraft zum Durchhalten haben?
Ich finde, diese Erkenntnis ist eine wichtige, wenn es um die Entwicklung des Blickwinkels als Sozialarbeitend*er auf die Klient*innen geht. Viel zu oft erwischt man sich selbst bei den Gedanken „Warum tut er/sie das denn nicht einfach? So schwer kann das doch nicht sein!“.
Wir können aber von Menschen nicht verlangen, Kräfte zu mobilisieren, wenn sie kraftlos sind.
Als kurzes Denkbeispiel: Würden wir Menschen mit Rückenschmerzen, die aktuell mit einer Grippe im Bett liegen, dazu motivieren, für ihre Gesundheit Sport zu treiben? – Nein. Wir würden sie unterstützen im Genesungsprozess: eine Suppe oder Tee kochen usw. bis sie wieder genesen und bereit für sportliche Betätigung sind.
Hier ist es mir wichtig, nicht falsch verstanden zu werden: Es geht nicht darum, die Menschen zu verpflegen und alles für sie zu richten – schließlich würden wir die Kranken Menschen die Suppe auch alleine löffeln lassen. Aber wir können ihnen den Löffel und die Suppe anbieten. Können mit ihnen klären, was ihnen gut tut – bei manchen ist es eher der kühle Wadenwickel während sich andere vielleicht einfach über Schlaf freuen.

Und genauso wie in diesem Beispiel beschrieben lässt es sich meiner Meinung nach auf Beratungsprozesse übertragen: Es geht darum, Menschen zu befähigen, für sich selbst und dadurch auch für ihre Gesundheit einstehen zu können. Erst wenn dies gegeben ist, besteht die „Fähigkeit, eine schwierige Situation längere Zeit auszuhalten“ (https://woerterbuch.reverso.net/deutsch-definition/Durchhalteverm%C3%B6gen): Durchhaltevermögen.

Diese Erkenntnisse lassen es unter anderem auch zu, Rückfälle anders als ein „Versagen der Klient*innen“ zu deuten. So werden Rückfälle eher zu Situationen, in denen die Betroffenen nicht genug Durchhaltevermögen zeigen konnten. Und so geht es im weiteren Verlauf nicht darum, nur zu erlernen „Wie schaffe ich es, nicht mehr rückfällig zu werden?“, d.h. bestimmtes Verhalten zu vermeiden, sondern eher darum zu erörtern, warum Klient*innen in den speziellen Momenten keine Kraft zum Durchhalten hatten; zu ermitteln, was Klient*innen unterstützen kann, in diesen Situationen genügend Kraft zu entwickeln.
Somit wird jeder „Rückfall“ als Lernprozess gesehen, in dem Sozialarbeiter*innen und Klient*innen gemeinsam daran arbeiten, die Kräfte der Klient*innen wieder zu aktivieren. Hier lassen sich Parallelen zu ressourcenorientierten Ansätzen finden und es wird gleichzeitig deutlich, dass diese Kräfte sich je nach Klient*in aus den verschiedensten Quellen entwickeln können.
Die Frage nach dem „Warum“ ist hier also maßgeblich. Warum konnte kein Durchhaltevermögen gezeigt werden? Welche äußeren und inneren Einflüsse haben dazu geführt? Wie können Strategien gefunden werden, die die Klient*innen befähigt, erneut auftretende Problemlagen zu meistern?
All das sind Fragen, die mit jeder Person individuell geklärt werden müssen – denn schließlich hat jede Person andere Bedingungen, unter denen sie Kräfte entwickeln können.

Außerdem gilt es zu erwähnen, dass es in den wenigsten Fällen dazu kommt, dass in der Dauer eines Beratungsprozesses oder einer Therapie tatsächlich alle Problemlagen von Klient*innen bearbeitet und behoben werden können. Daher ist es meiner Meinung nach umso wichtiger, eine Basis zu schaffen, mit der Klient*innen auch nach Beendung eines Prozesses befähigt sind, Kraft zum durchhalten, also Durchhaltevermögen, zu entwickeln und aufrecht zu erhalten. Denn was bringt es den Klient*innen wenn sie es während der Beratungsphase schaffen, bestimmte Verhaltensweisen zu ändern, es dann aber, wenn sie auf sich allein gestellt sind, nicht mehr dauerhaft aufrechterhalten können, welch sie nicht wissen, wo sie die Kraft dazu hernehmen sollen?

Somit gilt es, Menschen darin zu unterstützen, die Grundlage eines jeden Genesungserfolges herzustellen: das Erlangen von Durchhaltevermögen durch die von Quellen, aus denen Klient*innen die Kraft dazu gewinnen können.